Sexualisierte Gewalt

Sexualisierte Gewalt in Clubs und an Festivals in der Schweiz

Musikclubs und Festivals übernehmen eine kulturelle und soziale Funktion im gesellschaftlichen Leben. Sie sind Spiegel der Gesellschaft sowie Begegnungsstätten, die Zugang zu Kultur schaffen und nationalen wie internationalen Künstler*innen eine Plattform bieten. Sie sind aber auch Orte, an denen Menschen verschiedene Formen von Diskriminierung und sexualisierter Gewalt erfahren können. Dies betrifft nicht nur die Besucher*innen im Publikum, sondern auch die Mitarbeitenden, die freiwilligen Helfer*innen, die gebuchten Künstler*innen und Zulieferer*innen. Mehrheitlich sind Frauen, inter, nonbinäre, trans und agender Menschen von sexualisierter Gewalt betroffen.

Kampagnensticker There are many forms of sexualised violence

THERE ARE MANY FORMS OF SEXUALISED VIOLENCE! – LET US NO LONGER BE SILENT ABOUT IT.

Sexualisierte Gewalt kennt viele Formen: Von Anstarren, herabwürdigender Sprache, ungefragtem Bewerten von Personen und Körpern, physisch grenzüberschreitendem Verhalten wie Anfassen bis hin zu sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Sie kann sowohl verbal, körperlich und psychisch sein.

Vermeintlich weniger schwerwiegende Formen von sexualisierter Gewalt wie unerwünschtes aufdringliches Verhalten und Körperkontakt werden nicht immer als solche erkannt oder verharmlost und normalisiert.

Nicht nur Menschen im Publikum von Clubs und Festivals sind von sexualisierter Gewalt betroffen, sondern auch Mitarbeiter*innen, freiwillige Helfer*innen und Künstler*innen. Es handelt sich dabei nicht um Einzelfälle: Sexualisierte Gewalt passiert überall – auch in Clubs und an Festivals.

Sexualisierte Gewalt ist ein gezielter Übergriff auf die geschlechtliche und sexuelle Integrität von Menschen. Es handelt sich um eine Form von Gewalt, bei der es um Macht und Abwertung geht. Sie widerspiegelt die bestehenden Machtverhältnisse, die sich unter anderem in den Zuschreibungen von Geschlechter- und Rollenstereotypen und den ungleichen Geschlechterverhältnissen zeigt. Dabei überlagert sich die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Geschlechtsidentität und des Geschlechtsausdrucks mit anderen Formen von Diskriminierungen wie zum Beispiel Rassismus.

Solange Ungleichheiten, Machtgefälle, Sexismus und hierarchische Strukturen bestehen, ist sexualisierte Gewalt allgegenwärtig. Sie kann aber benannt, kritisiert, verurteilt und sanktioniert werden, um zukünftige Übergriffe zu verhindern und die Auflösung von patriarchalen Machtstrukturen zu unterstützen. Wir alle stehen in der Verantwortung, sexualisierte Gewalt zu verhindern.

NOTICE | STEP UP | ACT – SILENCE SUPPORTS STRUCTURES.

Betroffenen von sexualisierter Gewalt wird häufig nicht geglaubt, ihre Wahrnehmung wird angezweifelt und ihnen wird eine Mitverantwortlichkeit zugeschrieben. Die Gewaltprävention richtet sich vornehmlich an die (möglichen) Betroffenen und nicht an die Täter*innen.

Wir geben sexualisierter Gewalt keinen Raum. Wir schauen hin, unterstützen uns gegenseitig und setzen uns gegen sexualisierte Gewalt ein, indem wir darüber sprechen.

In erster Linie geht es darum, Betroffene zu unterstützen und zu stärken: Betroffenen hören wir zu und widersprechen nicht. Betroffene Menschen wissen am besten, was sie brauchen. Wir fragen danach und bieten Unterstützung an.

Wir schauen hin und nicht weg, greifen ein und weisen aktiv darauf hin, wenn wir beobachten, dass eine Person die Grenzen anderer überschreitet. Wir übernehmen Verantwortung und handeln aktiv.

Darüber hinaus machen wir unser Umfeld (Freund*innen, Mitarbeiter*innen und weitere) auf ihr Verhalten aufmerksam und stossen so die Reflexion an.

Wir achten dabei immer auf unsere eigenen Grenzen.

CONSENT IS KEY – ALWAYS ASK FOR CONSENT.

Konsens (engl. consent) bedeutet, dass nur ein «Ja» auch ein Ja ist. Wir fragen unser Gegenüber – egal ob es um ein erstes Kennenlernen, eine Berührung, einen Kuss geht. Wir akzeptieren ein Nein und wahren die Grenzen unseres Gegenübers. Wir sind uns bewusst, dass ein Nein oder eine Ablehnung nicht nur verbal, sondern auch non-verbal geäussert werden kann. Wenn sich zum Beispiel das Gegenüber von uns wegdreht oder die Arme verschränkt, bedeutet auch dies nicht Ja. Auch «vielleicht» oder «weiss nicht» ist kein Ja. Ein unter Einfluss von Substanzen geäussertes «Ja» ist kein Ja. Es braucht die aktive Zustimmung aller Beteiligten.

NUR JA HEISST JA

Wir setzen uns mit unseren eigenen Grenzen auseinander. Fühlen wir uns unwohl, bedrängt oder belästigt? Können wir unser Gegenüber selbst darauf hinweisen oder brauchen wir Unterstützung von anderen?

Konsens zu erfragen oder aktiv zu äussern, kann sehr ungewohnt sein. Allzu oft schliessen wir von uns auf andere oder stellen Vermutungen darüber an, was das Gegenüber will oder nicht will. Je mehr wir im Alltag darauf achten, desto einfacher wird es uns fallen, nach Konsens zu fragen.

MÖCHTEST DU UNTERSTÜTZUNG?

Fühlst du dich in einer Situation unwohl, bedrängt, belästigt oder wirst du bedroht? Bist du unsicher, wie du eine (beobachtete) Situation einschätzen sollst?
Nur du weisst, wann und warum du dich unwohl gefühlt hast, beziehungsweise wann und wie deine Grenzen verletzt wurden. Du entscheidest, wie du handeln möchtest.

Vertraue dich, wenn du möchtest, anderen Personen wie Freund*innen, anderen Gäst*innen und/oder den Mitarbeiter*innen an. Oder wende dich direkt an professionelle Beratungsstellen.
Unterstützung und Beratung erhältst du vertraulich und kostenlos bei Beratungsstellen – auch anonym per Telefon oder online. Zum Beispiel bei städtischen und kantonalen Fachstellen für Gleichstellung, den kantonalen Opferhilfestellen oder weiteren Angeboten.

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